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Überraschende Ergebnisse bei Kindersitz-Test vom ADAC

Teure Kindersitze sind nicht zwingend die besten

Die Pfingstferien haben in Baden-Württemberg begonnen, dementsprechend voll waren die Straßen in Südbaden am vergangenen Wochenende. Viele Familien fahren mit dem Auto in Urlaub und wissen, wie wichtig ein guter Kindersitz ist.

Der ADAC und die Stiftung Warentest haben 23 Kindersitze untersucht und dabei überaschende Ergebnisse präsentiert. ADAC-Sprecher Johannes Boos hat uns berichtet, wie der Test abgelaufen ist.

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Im Falle eines Verkehrsunfalls kann ein guter Kindersitz möglicherweise Leben retten

1. Was hat der ADAC in seinem Kindersitztest alles unter die Lupe genommen?

Gemeinsam mit der Stiftung Warentest hat der Automobil-Club Modelle in unterschiedlichen Größen untersucht, darunter auch den ersten Kindersitz mit integriertem Airbag, der sich bei einem möglichen Aufprall öffnet.

Boss sagt, dass bei allen Modellen geprüft wurde, ob die Sitze sicher genug sind, gut zu bedienen sind und es wurde geprüft, welche Schadstoffe gefunden werden konnten.

ADAC-Sprecher Boos: "Modelle wurden auf Bedienbarkeit und Schadstoffe geprüft."

2. Wie ist das Testergebnis ausgefallen?

Von insgesamt 23 getesteten Modelle haben 17 Stück die Note "gut" bekommen, so Boos. Der ADAC-Sprecher fügt hinzu, dass die Kindersitze schärfer geprüft werden, als der Gesetzgeber.

Zwei weitere Sitze wurden mit der Note "befriedigend", ein Modell mit "ausreichend" bewertet. Allerdings hat es drei Modelle gegeben, die mit "mangelhaft" durchgefallen sind, so Boos.

ADAC-Sprecher Boos: "Drei Modelle mit Note 5 durchgefallen."

3. Warum sind diese drei Sitze mit der Note "mangelhaft" durchgefallen?

Bei einem der Modelle handelt es sich um den "Concord Ultimax I-Size". Hier ist beim Frontalcrash im Test die Sitzschale zerbrochen, sagte Boos. Bei einem echten Unfall hätte ein Kleinkind demnach kaum Chancen gehabt unverletzt aus dem Auto zu kommen. Der Hersteller hat bereits angekündigt, dieses Modell nicht weiter produzieren zu wollen.

Bei den Modellen "Avionaut Ultralite" und "Jane Gravity" hat es erhöhte Schadstoffwerte gegeben. Bei letzterem wurde Naphtalin im Bezug gefunden. Hierbei handelt es sich um einen Stoff, bei dem vermutet wird, krebserregend zu sein.

Boos zu mangelhaften Sitzen: "Bei einem echten Unfall kaum Chance für ein Kleinkind."
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Stiftung Warentest und ADAC haben die Sicherheit der Modelle unter anderem im Falle eines Frontalcrashs getestet

4. Wie hat der Sitz mit integriertem Airbag abgeschnitten?

Das Modell, das für ein Novum bei den Tests gesorgt hat, ist das "Maxi-Cosi Axissfix Air" hat mit der Note "gut" abgeschnitten. Hier reduziert der Airbag die Belastung bei einem frontalen Aufprall auf Kopf und Nacken.

Allerdings ist der Sitz mit dem Kind nach vorne gerichtet eingebaut, also mit dem Rücken in Richtung der Windschutzscheibe. Die Sitze, die rückwärts gerichtet sind, schneiden bei einem Frontalcrash trotzdem noch besser ab, so Boos.

Boss zu Airbag-Modell: "Belastung wird auf Kopf und Nacken reduziert."

5. Sind teure Sitze gleich besser, als die günstigeren Modelle?

Grundsätzlich nicht. ADAC-Sprecher Boos sagt, dass der Preis und die Qualität eines Kindersitzes nicht zwingend zusammenhängen. Das zeige im Test das Modell "Avionaut Ultralite", das mit rund 400 Euro zu den teuren Modellen gehört, allerdings mit "mangelhaft" durch den Test gefallen ist.

Boos zu Kindersitzen: "Preis und Qualität müssen nicht zwingend zusammenhängen."

6. Was sollten Eltern vor dem Kauf eines Kindersitzes beachten?

Boos empfiehlt, sich gut zu informieren und Testergebnisse vor dem Kauf zu vergleichen. Dabei ist auch wichtig, dass man nicht "blind" einen Kindersitz kauft, sondern mit dem eigenen Auto und seinem Kind ins Fachgeschäft fährt und sämtliche Produkte ausprobiert.

Beim Einbau ist außerdem noch zu beachten, dass der Sitz nicht wackelt. Er soll sicher verbaut werden und fest sitzen, so Boos weiter.

Boos: "Vor dem Kauf gut informieren und Testergebnisse vergleichen!"

Fazit: Teuer ist nicht gleich besser - Vergleichen Sie Testergebnisse und machen Sie sich selbst ein Bild vom Produkt

Wenn das teuerste Modell im Test zu den schlechtesten Produkten gehört und eines der günstigeren zu den besten, sagen die Ergebnisse der Stiftung Warentest und des ADAC vor allem eines aus:

Bevor Sie den Kindersitz kaufen, sollten Sie sich über die jeweiligen Produkte gut informieren. Machen Sie sich selbst ein Bild vom Kindersitz und testen Sie es gemeinsam mit Ihrem Kind und dem eigenen Auto.

Lassen Sie sich im Fachgeschäft gut beraten und greifen Sie nicht zwingend zum teuersten Produkt, denn teuer ist nicht immer gleich besser. Mehr Informationen und den kompletten Testbericht gibt es auf der offiziellen Seite von der Stiftung Warentest.

(gm)