© Pixabay (Symbolbild)

Bruterfolg bei Weißstörchen im Südwesten

In diesem Jahr gibt es so viele Jungstörche wie selten

Das warme Wetter hat für einen Bruterfolg bei Weißstörchen im Südwesten gesorgt. In diesem Jahr gebe es so viele Jungstörche wie selten, sagt die Koordinatorin des Weißstorchschutzes in Baden-Württemberg, Ute Reinhard. Sie spricht von einem überwiegend guten Bruterfolg in den meisten Regionen Baden-Württembergs.

Aufgrund der warmen Witterung habe sich die Nahrung der Störche - wie Heuschrecken und Mäuse - schnell entwickelt. Zudem könnten die Störche durch gute Aufwinde «weiter entfernte Nahrungsgebiete nutzen», erklärte die Expertin.

Wie viele Weißstörche es genau in diesem Jahr im Südwesten gibt, ist noch nicht bekannt. Im Jahr 2017 gab es in ganz Baden-Württemberg rund 1055 Brutpaare. Reinhard rechnet damit, dass die Population in diesem Jahr voraussichtlich um zehn Prozent gestiegen ist. Die Zahlen liegen erst im Oktober vor.

Auch in Achern (Ortenaukreis) siedeln sich immer mehr Weißstörche an

In diesem Jahr haben wir im Ortsteil Gamshurst 16 Paare und Nester, und mit 31 Jungstörchen haben wir 10 mehr als im vergangenen Jahr», sagte Ortsvorsteher Hans Jürgen Morgenstern der Deutschen Presse-Agentur. Die Weißstörche gebe es dort schon seit 1969.

Auffällig sei, dass die Weißstörche ihre Nester nur auf der Kirche, dem Pfarramt und dem Rathaus des 1700-Einwohner zählenden Ortsteils gebaut hätten, sagt Morgenstern. Die Dächer dieser Gebäude sehen dann auch entsprechend aus, sie sind großflächig mit weißlichem Kot bedeckt.

Regelmäßig müssten auch die Dachrinnen und die Dachkehlen dieser Gebäude gereinigt werden, weil sich dort immer Nistmaterial - Moos, Gras und Federn - verfange. «Wenn das so weitergeht, haben wir ein Problem», meint Morgenstern.

Die Umgebung von Achern ist nach den Worten des Ortsvorstehers ideal für Weißstörche. Es gibt Wiesen und Felder, die regelmäßig gemäht werden, und Gräben. Die Tiere kommen so an ausreichend Nahrung.

Ein Plus von zehn Prozent bei Jungstörchen im Südwesten

Die Storchenbeauftragte des Landes, Ute Reinhard, rechnet in diesem Jahr mit einem Plus von zehn Prozent bei Jungstörchen im Südwesten. Dazu sagt Johannes Enssle, NABU-Landesvorsitzender:

Wir freuen uns über den diesjährigen Bruterfolg bei den Weißstörchen. Das imposante NABU-Wappentier klappert wieder von vielen Dächern im ganzen Land. Zu verdanken ist dieser Erfolg auch dem engagierten Einsatz vieler NABU-Gruppen in Baden-Württemberg. Die anpassungsfähigen Großvögel profitieren von jenen Wiesen, die giftfrei und wenig gedüngt sind sowie abschnittsweise gemäht werden, weil sie dort genügend Nahrung finden.“

Handlungsbedarf sieht der NABU bei der Reduktion von Pestiziden sowie dem besseren Schutz der Störche vor Stromschlägen an Mittelspannungsmasten und -leitungen. Dazu ergänzt Enssle:

Gefährlich ist nicht nur die Reise der Störche in den Süden. Auch in Baden-Württemberg sind Großvögel gefährdet, weil viele Mittelstromleitungen noch nicht vogelfreundlich nachgerüstet sind. Wenn Vögel darauf landen, sterben sie. Das Problem ist seit Jahren bekannt: Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt eine Sanierung gefährlicher Masten vor. Doch die Netzbetreiber drücken sich seit mittlerweile fünf Jahren vor der Aufgabe. Das Land muss dringend bei den Netzbetreibern auf die Nachrüstung pochen.

(la)