Staufen, Missbrauch, Kreuz, Burg, © Patrick Seeger - dpa (Symbolbild)

Pfadfinder-Betreuer aus Staufen wegen fast 700 Missbrauchsfällen angeklagt

Es geht um schwere Vorwürfe wie sexuellen Missbrauch, Vergewaltigung und Körperverletzung

Fast 700 Mal soll sich ein früherer Mitarbeiter einer Pfadfinder-Jugendgruppe in Staufen an Minderjährigen vergangen haben. Nach dem Bekanntwerden des Falles im Mai 2019 hat die Staatsanwaltschaft Freiburg jetzt am Mittwochvormittag (07.08.2019) offiziell Anklage gegen den 41-Jährigen erhoben.

Mutter eines Kindes hatte im Februar Anzeige erstattet

Er soll zwischen 2010 und 2018 immer wieder vier verschiedene Jungen sexuell missbraucht haben. Den Kontakt zu zwei 7 und 8 Jahre alten Grundschülern hatte er über seine Arbeit bei der evangelischen "Lazarus von Schwendi"-Pfadfindergruppe hergestellt. Dort war er zwischen 1999 bis 2011 mit einer dreijährigen Unterbrechungspause als Gruppenleiter tätig.

Zwei weitere 8 und 11-jährige Jungen soll er später in seinem persönlichen Freizeitbereich und auf einem Campingplatz in einer Gemeinde südlich von Freiburg kennengelernt haben.

Rechnet man alle Einzelvorwürfe zusammen, gehen die Ermittler von mindestens 696 Fällen des sexuellen Missbrauchs aus, einige davon wohl auch in besonders schwerer Form. In der Anklage lassen sich auch die Straftatbestände der Vergewaltigung und der Körperverletzung als Vorwurf wiederfinden.

Rückblick: Die komplette Pressekonferenz der Ermittler nach dem Bekanntwerden des Missbrauchsfalls im Mai 2019

Einen konkreten Gerichtstermin gibt es an der Jugendschutzkammer des Freiburger Landgerichts für den Missbrauchsprozess noch nicht. Der Tatverdächtige befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Ein anderer Pfadfinder-Kollege des Mannes steht außerdem unter Verdacht, sich möglicherweise zusätzlich an einem Mädchen vergangen zu haben. Eine Verbindung konnten die Ermittler aber nicht nachweisen.

Für die Kripo haben sich auch keine Hinweise darauf ergeben, dass die mutmaßlichen Übergriffe in Zusammenhang mit dem jahrelangen Missbrauch eines anderen Jungen aus Staufen im Darknet stehen könnten. Es handelt sich demnach um zwei komplett unabhängige Fälle.

(fw)

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