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Freiburg: Demos von Salafisten und linker Szene ohne schwere Krawalle

 

Die mit Sorge erwarteten Demonstrationen und Veranstaltungen in der Freiburger Innenstadt am Samstag liefen heute allesamt weitgehend friedlich ab. Das meldet die Polizei in ihrem Abschlussbericht. Insgesamt hat es während der Kundgebung des umstrittenen islamistischen Salafisten-Predigers Pierre Vogel eine Festnahme gegeben. Dort hatte ein Gegner aus dem linken Spektrum offenbar eine Flasche in Richtung Bühne geworfen. Zuvor hatte Vogel scharfe Kritik an der Gegendemonstration ausgesprochen. Der Extremist sieht sich selbst als Opfer einer grundsätzlich islam-feindlichen Haltung und versucht nach Ansicht des Verfassungsschutzes darüber gerade junge Muslime zu radikalisieren. Insgesamt waren mehrere hundert Zuhörer auf dem Kartoffelmarkt eingetroffen – nur einen Bruchteil davon stellten jedoch die Salafisten-Anhänger dar. Auch viele Muslime protestierten gegen Vogel, da sie ihm vorwerfen ihren Glauben auszunutzen.

Mindestens drei Festnahmen – aber keine Krawalle

Ein noch weit größeres Polizeiaufgebot war heute mit der angekündigten, aber nicht angemeldeten Demonstration der linken Szene „Love or Hate Parade“ zum Jubiläum des autonomen Kulturzentrums KTS beschäftigt. Zwischen 300 und 400 Menschen beteiligten sich an einem Demonstrationszug ab der Johanneskirche. Die Polizei hielt mehrere Fahrzeuge jedoch direkt nach dem Start auf, weil die Demonstranten wohl mit zwei Traktoren in die Innenstadt wollten, die Beamten aber nur einen erlaubten und zwar an der Johanneskirche. Im Anschluss hatte es dann kleinere Ausschreitungen gegeben, als einzelne Gruppen die Kreuzung an der Basler Straße und Heinrich-von-Stephan-Straße besetzten. Hierdurch konnten Autos und Straßenbahnen nicht weiterfahren. Die Polizei löste die Sitzblockade schließlich auf, es kam dabei während eines Handgemenges zu einer weiteren Festnahme. Hierbei wurde der Demonstrant nach Angaben der Behörden leicht verletzt.

 Salafisten-Kundgebung stand nicht im Mittelpunkt

Während der Rest der Demo ruhig ablief, hatten die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun die verfeindeten Teilnehmer der beiden Veranstaltungen zu trennen. In der Kaiser-Joseph-Straße in der Innenstadt mussten erneut die Gleise freigegeben werden. Es kam jedoch zu keiner weiteren Eskalation. Nach einer Kundgebung mit anschließendem Tanz an der Rempartstraße zog ein Großteil der Demonstranten zurück an die KTS.

Demonstranten haben Straßenbahngleise besetzt

Mehrere Sprecher der linken Szene beklagten während des Zuges mutmaßliche Repressionen durch die Polizei, unter anderem was die vorgegebene Laufroute betraf. Sie sahen sich durch das frühe Einschreiten der Beamten vor Beginn der Demo in ihrem Recht auf Versammlungsfreiheit teils eingeschränkt.

Ministerpräsident feierte parallel im Konzerthaus

Auch der Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Freiburger Konzerthaus lief problemlos ab. Der grüne Landeschef war dort heute anlässlich des 150. Gründungsjahres des Schwarzwaldverein aufgetreten. Desweiteren hatte die Polizei auch noch mit einem türkischen Kulturfest im Freiburger Stadtpark gerechnet. Auch hier gabe es keine Zwischenfälle.

 Unvollständige Sachlage zum Polizeigroßeinsatz

Unklar ist hingegen noch die genaue Zahl der polizeilichen Einsatzkräfte. Hundertschaften der Bereitschaftspolizei und aus den Umlandrevieren hatten die Freiburger Beamten bei ihrer Arbeit unterstützt. Im Vorfeld war nicht klar gewesen, ob genügend Personal vorhanden wäre, um die vielen parallelen Veranstaltungen gleichzeitig zufriedenstellend zu stemmen. Auch die Höhe der Kosten für den Einsatz ist noch nicht bekannt. Hierzu wird soll sich aber laut einem Sprecher das Innenministerium in den kommenden Tagen äußern.

 

Einen ausführlichen Bericht zum Ausnahmesamstag in Freiburg sehen Sie hier online oder am Dienstagabend im Fernsehen bei Südbaden Aktuell, immer zur vollen Stunde ab 18:00 Uhr.

 

 

© Fabian Weller