© Paul Ketz / Markus Diefenbacher

Freiburg: Pfandringe sollen nicht nur Flaschensammlern helfen

© Paul Ketz / Markus Diefenbacher

In Freiburg könnten an den öffentlichen Mülleimern vor allem im Innenstadtbereich bald so genannte Pfandringe hängen. Die SPD-Fraktion im Gemeinderat hat eine flächendeckende Einführung jetzt geprüft und entsprechende Anfragen an die Freiburger Abfallwirtschaft gestellt. Und so wie es aussieht, spricht bislang nicht viel dagegen – auch deshalb, weil die Anschaffungskosten sich im Rahmen zu halten scheinen.

Sozialdemokraten lassen Einsatz prüfen

Die Idee hinter der Konstruktion des Kölner Designers Paul Ketz ist im Prinzip recht simpel: Über die Müllcontainer lässt sich eine Halterung aus wetterbeständigem Edelstahl stülpen, in deren Aussparungen Passanten ihre leeren Pfandflaschen außen abstellen können. Damit hoffen die Verantwortlichen einerseits unnötigen Müll zu vermeiden. Denn gerade an belebten Zentren wie dem Augustinerplatz oder dem Hauptbahnhof bleiben trotz der Arbeit von Flaschensammlern an nahezu jedem Sommerabend dutzende Dosen, Bierflaschen oder PET-Behälter stehen oder landen im Abfall.

„Weniger Müll – mehr Sicherheit“

Zum anderen soll die Erfindung gerade den Bedürftigen die Arbeit erleichtern, die mit dem Sammeln der Flaschen ihr meist geringes Einkommen aufbessern oder damit überhaupt erst Geld verdienen. Konkret geht es um einen würdevolleren Umgang mit den Sammlern, die mit den Ringen nicht mehr die Abfallbeutel in den Containern durchwühlen müssten, um an eventuell weggeworfene Pfandflaschen zu kommen. Gleichzeitig sinkt dadurch auch das Verletzungsrisiko.

Wie stark werden die Ringe angenommen?

Im Einsatz – zumindest testweise – hatten die Pfandringe unter anderem die Städte Köln, Bamberg oder auch Karlsruhe. Eine offene Frage ist in Freiburg trotzdem noch die Praxistauglichkeit. Obwohl das Pfand schon heute ein Anreiz dafür sein soll, Wertstoffdosen und -flaschen nicht in den normalen Müll wandern zu lassen, landen dutzende von ihnen genau dort und werden damit nicht weiter recycelt. Es ist unklar, ob die Ringe von den Freiburger auch angenommen werden und welche weiteren Anreize dafür notwendig wären.

Flaschensammler befürchten mehr Konkurrenz

Während Obdachlosenhilfen die Idee grundsätzlich loben, haben einige der auf der Straße lebenden Menschen vor einer noch stärkeren Konkurrenz Angst: Professionelle Banden könnten den Inhalt der Pfandringe für sich beanspruchen und den wirklich Bedürftigen die Nutzung komplett verwehren – so die Befürchtung. Schon heute sind in vielen deutschen Großstädten lukrative Stellen nicht nur bei Flaschensammlern, sondern auch bei Straßenkünstlern oder Bettlern stark umkämpft. Und immer öfter müssen sie sich gegen kriminelle Banden zur Wehr setzen, die die enge Platzsituation auch noch ausnutzen. Ob diese Bedenken auch in Freiburg eine Rolle spielen, kann noch nicht gesagt werden. Eine Entscheidung des Gemeinderats über den Einsatz der Pfandringe steht zudem noch aus.

Erfinder stellt sein Konzept in TV-Show vor

Der Erfinder der sozialen Mülleimer-Upgrades Paul Ketz wird seine Idee gegen diese Kritikpunkte am Dienstagabend unter anderem auch in der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ behaupten. In der Show können sich frische Unternehmensgründer für außergewöhnliche Ideen eine Finanzspritze erspielen. TV Südbaden stellt zuvor die Debatte in Freiburg und die genauen Gedanken hinter den Pfandringen heute Abend in einem eigenen Fernsehbeitrag vor – stündlich zu sehen ab 18:00 Uhr in Südbaden Aktuell!