Waschanlage, Auto, Schmutz, Dreck, Windschutzscheibe, Heckscheibe, Saharastaub, Blütenstaub, Pollen, © baden.fm (Symbolbild)

Gelbe Schmutzschicht auf dem Auto: Diesmal ist es kein Saharastaub

Experten erklären, warum dieses Phänomen gerade so stark auftritt und ob davon ein Gesundheitsrisiko ausgeht

Seit vielen Wochen gehört der Anblick der dicken, gelben Staubschicht auf Motorhauben, Gartenmöbeln und gerade frisch geputzten Fenstern inzwischen zum Alltag in Baden dazu. Und selbst nach einem Regenschauer dauert es in diesem Frühjahr nicht lange, bis alles nach nur wenigen Stunden wieder voll ist mit dem Schmutz.

Während im März und April vor allen Dingen Saharastaub in der Luft für dieses Phänomen verantwortlich war, handelt es sich in den allermeisten Fällen mittlerweile um etwas ganz anderes, erklärt der Leiter des Fachbereichs Forst vom Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald Michael Kilian auf baden.fm-Anfrage:

Michael Kilian (Forstbehörde im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald): "Das ist eine Angstreaktion, weil die Bäume Sorge haben, dass sie die nächsten Jahre nicht überleben"

Was auf der Frontscheibe des Autos tatsächlich wieder aussieht wie die nächste Ladung kleinster Sandkörnchen, ist in Wirklichkeit Blütenstaub und Pollen. Und dass der 2022 in viel größeren Mengen sichtbar wird als in den letzten Jahren, hat nach der Überzeugung des Experten auch eine Ursache.

Momentan sind es vor allen die Fichten, die massenhaft Pollen verbreiten und so für die markante gelbliche Schmutzschicht sorgen. Eigentlich blühen diese nur alle vier bis sechs Jahre und dann meist auch nicht so geballt, wie es in diesem Jahr der Fall ist. Doch die Bäume reagieren auf den Klimawandel und den Hitzestress der letzten Jahre, erklärt Kilian.

Bäume reagieren auf Trockenheit und Hitze der letzten Jahre

Bei dem Ausschütten des Pollen handelt es sich bei den Fichten streng genommen um so etwas wie eine Angstreaktion: Die Pflanzen befürchten sozusagen, dass sie nicht mehr lange leben werden und versuchen deshalb Nachkommen zu zeugen. Der Blütenstaub steigt dabei in große Höhen auf und kann durch den Wind mehrere Kilometer weit selbst in solche Gebiete getragen werden, in denen eigentlich gar keine Fichten stehen.

Das bedeutet dann aber auch: Je mehr trockene und überdurchschnittlich warme Jahreszeiten wir in Baden erleben, desto häufiger wird uns die Staubbelastung in der Luft begegnen. Über direkte gesundheitliche Risiken müssen wir uns dabei aber keine Gedanken machen, gibt Medizin-Meteorologin Christine Endler vom Deutschen Wetterdienst in Freiburg Entwarnung. Der Pollen von Fichten und andere Koniferen gelten anders als beispielsweise viele Gräser als nicht allergen.

Christine Endler (Deutscher Wetterdienst): "Momentan haben wir es mit besonders viel Blütenstaub in der Luft zu tun"

Selbst Heuschnupfen-Allergiker brauchen sich also erst einmal keine Sorgen machen, dass der gelbe Staub bei ihnen einen Niesanfall auslösen könnte. Trotzdem könnte es auch bei anderen Menschenim Extremfall zu Symptomen wie juckenden Augen, Hustenreiz oder laufender Nase kommen, sagt Endler.

Das habe allerdings weniger mit Allergien, sondern eher mit der allgemeinen Staubbelastung in der Luft zu tun. Wer da empfindlich reagiert, dem kann unter anderem bereits das Tragen einer FFP2-Maske aus der Corona-Pandemie helfen, so der Tipp. Denn diese können auch Pollen nachweislich aus der Atemluft rausfiltern.

Greifen auch Fichtenpollen bei Sonneneinstrahlung den Lack an?

Doch gerade viele Autobesitzern dürften sich nach den Erfahrungen mit dem Saharastaub fragen, ob nun wieder jede Woche neue Besuche in der Waschanlagen anstehen, um den Lack zu schützen. Tatsächlich blühen Fichten normalerweise bis in den Juni hinein, sodass auch ein Regenschauer die Pollen nur kurzzeitig aus der Luft spült und sie dann kurze Zeit später schon wieder neu auf die Oberflächen herunterrieseln.

Erst danach lohnt es sich so wirklich, die Fenster zu putzen und das Auto zu waschen, sodass es auch mal wieder länger sauber bleibt. Anders als beim Saharastaub oder auch Vogeldreck ist es aber in aller Regel nicht so schlimm, wenn die gelbe Schicht noch ein paar Tage länger auf dem Fahrzeug liegen bleibt. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung wird sie normalerweise nur klebrig, aber frisst sich nicht in die Lackierung.

Nur wenn es sich um eine Mischung aus Sahara- und Blütenstaub handelt, sollte besser nicht zu lange gewartet werden und die Schicht mit viel Wasser und ohne Scheuern entfernt werden. Andernfalls drohen Kratzer und andere Beschädigungen.

(fw)