Freiburg nach dem Luftangriff im November 1944, © Public Domain; Stadtarchiv Freiburg

27. November 1944 – Luftangriff auf Freiburg

75. Jahrestag der Bombardierung Freiburgs

Der 27. November 1944 ist einer der traurigsten Tage in der Freiburger Geschichte. 20 Minuten die das Stadtbild für immer verändern sollten. Fast 3000 Menschen kamen ums Leben.

Trügerische Hoffnung

Lange Zeit hatten die Freiburger die Hoffnung, dass sie vom Bombenkrieg verschont bleiben. Viele waren sich der Gefahr überhaupt nicht bewusst. In der Stadt gab es kaum kriegsrelevante Industriegebiete oder militärische Ziele. Wegen der verkehrsgünstigen Lage an der Rheintalbahn und der Bahnlinie über Breisach nach Frankreich war Freiburg aber ein wichtiger Knotenpunkt für die Truppenverschiebung aus dem Westen.

Angriff durch britische Kampfbomber

Am 27. November 1944 um 19.58 Uhr startete ein Bombenangriff durch die Royal Air Force. Innerhalb von nur etwa 20 Minuten warfen fast 300 britische Flieger mehr als 14.500 Bomben auf Freiburg, die meisten waren Brand-  und Markierungsbomben. Der Codename für die Bombardierung lautete „Operation Tigerfish“.

Luftangriff '44: Das Zeitzeugeninterview

Fast 2800 Todesopfer

In dem Bombenhagel starben fast 2800 Menschen, rund 9600 weitere wurden verletzt.  Nach der Bombardierung verließen zahlreiche Bürger die Stadt. Ende Dezember 1944 wurden nur noch knapp 64.000 Einwohner gezählt. Ende April 1945 hatte die Einwohnerzahl mit rund 58.000 ihren Tiefpunkt erreicht.

Fast die komplette Altstadt lag in Trümmern

Durch den Bombenangriff wurden rund 80 Prozent der historischen Altstadt zerstört. Schwer getroffen wurden auch die Stadtteile Herdern, Stühlinger, Betzenhausen-Bischofslinde und die Mooswald-Siedlung. Auch der Stadtteil Neuburg wurde zerstört. Im nördlichen Stühlinger wurden 70 Häuser total zerstört, darunter auch das Uniklinikum. Insgesamt wurden rund 30 Prozent aller Wohnungen in Freiburg zerstört oder schwer beschädigt. Auch zahlreiche historische Bauwerke fielen dem Angriff zum Opfer, fast alle wurden aber inzwischen wieder rekonstruiert.

Münster blieb wie durch ein Wunder weitgehend verschont

Wie durch ein Wunder blieb das Wahrzeichen der Stadt, das Freiburger Münster, bei dem Bombenangriff fast unbeschädigt. Rund um das Münster wurden alle Häuser getroffen und zerstört.

Unlösbare Aufgabe für die Feuerwehr

Ein großes Problem waren die Brände, die der Bombenangriff auslöste. Die Freiburger Feuerwehr stand vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Wasser zum Löschen kam nur aus den Bächle in der Altstadt und aus der Dreisam. Die knapp 370 Mann starke Truppe kämpfte bis zur Erschöpfung gegen die Flammen. Die Brände wüteten tagelang. Viele Gebäude, die nicht direkt von Bomben getroffen worden waren, wurden von Feuern erfasst und nachträglich zerstört.

Hat eine Ente vielen Freiburgern das Leben gerettet?

Einer Sage zufolge rettete ein Erpel im Freiburger Stadtgarten vielen Menschen das Leben. Das Tier schien den Bombenangriff geahnt zu haben und schnatterte etwa fünf Minuten vor Beginn des Bombardements so angsterfüllt, dass einige der Anwohner im Bunker des Schlossbergs Schutz suchten und so den verheerenden Bombenangriff überlebten. Heute erinnert ein Denkmal im Stadtgarten an diesen Erpel. Ob diese Geschichte tatsächlich stimmt, ist allerdings nicht bekannt.

Wiederaufbau nach dem  2. Weltkrieg

 Nach dem Zweiten Weltkrieg war Freiburg von den Franzosen besetzt. Die Altstadt sollte wieder aufgebaut werden. Im Dezember 1945 wurde dem Gemeinderat ein Konzept für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt vorgelegt. Es basierte im Wesentlich auf dem vorhandenen Straßennetz und den ursprünglichen Grundstücksgrenzen. Damit konnte der Grundriss der Freiburger Altstadt weitgehend erhalten bleiben. Bis zur Währungsreform 1948 ging der Wiederaufbau der Stadt nur schleppend voran. Die Trümmer wurden von 1947 bis 1949  mit der Freiburger Trümmerbahn, im Volksmund „Trümmerexpreß“ genannt, zum Flückigersee abtransportiert.

75 Jahre später: Gedenkfeier im Münster

Zum 75. Jahrestag der Zerstörung Freiburgs in der Bombennacht gibt es ein Nachtgebet im Freiburger Münster. Es beginnt am 27. November 2019 um 20 Uhr. Dazu laden der Münsterbauverein, das Evangelische und Katholische Stadtdekanat sowie die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und Gemeinden ein. Neben Oberbürgermeister Martin Horn und der Oberbürgermeisterin von Mulhouse, Michèle Lutz, werden Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums die Gedenkfeier inhaltlich und musikalisch mitgestalten.

Klanginstallation am Münsterplatz

Die Stadt Freiburg begeht den Gedenktag mit einem besonderen künstlerischen Projekt: Mehrmals am Tag, besonderes aber vor und nach der Ökumenischen Gedenkfeier im Münster wird auf der Nordseite des Münsterplatzes bei der Stadtbibliothek eine  Klanginstallation zu hören sein. Studierende des Studios für Elektronische Musik der Musikhochschule haben extra für diesen Anlass ein mehrminütiges Musikstück komponiert. Diese Klanginstallation soll eine zweifache Botschaft ausdrücken: erinnerndes Gedenken und Appell zum Frieden.

(rg)

 

Maria Lais, Zeitzeugin der Bombennacht auf Freiburg. Zusammen mit Reyk aus der baden.fm-Morgenshow im Sommer 2019.

Maria Lais aus St.Ulrich erzählt, wie sie den Luftangriff am 27. November 1944 erlebt hat.

Die Zeitzeugin hat die Bombennacht hautnah miterlebt. Bis heute kann sie das unheimliche „Geheule" der Flieger hören. Als Schulkind musste sie die Trümmer aufräumen und Bombenlöcher in der Wiese auffüllen. Lais erzählt, dass sie mit damals 12 Jahren das Aufräumen sogar als "begeisternd" empfunden hat, weil sie in dem Alter noch nicht das Ausmaß der Bombardierung erkennen konnte.

Am nächsten Tag sind wir wie immer in die Schule gegangen. Auch mit dem komischen Gefühl."

Aber da es nur noch zwei Lehrer gab, ist die Schule ausgefallen.

 

(no)