Howard Carpendale, Schlager, Schopfheim, Open Air, Sommersound, 2018, © Veranstalter

Sommersound 2018: HOWARD CARPENDALE

Eigentlich hat HOWARD CARPENDALE eine Vorstellung nicht mehr nötig:
Über 50 Millionen verkaufte Tonträger, 17 Top-10-Alben und etliche Auszeichnungen sprechen für sich. Eine eigene Vorstellung von seinem Handwerk und davon, was es in der Welt bewirken soll, ist aus seiner Sicht aber unerlässlich – und für Carpendale auch nach sagenhaften 50 Jahren im Business der größte Antrieb: „Bei der Entstehung meines neuen Albums galten meine Gedanken vor allem der Frage:
Was kann ich Neues erzählen? Nach über 700 Liedern befürchtete ich alles verarbeitet zu haben, was mir bis dahin wichtig erschien. Während der Studioarbeit kam dann bei mir dieser Gedanke und das damit verbundene Gefühl auf: Wenn nicht wir.“ Das brandfrische aktuelle Studio-Album von HOWARD CARPENDALE, das in Zusammenarbeit mit den Produzenten Christian Lohr (u.a. Sting, Mick Jagger) und Thorsten Brötzmann (u.a. Till Brönner, Weather Girls) entstanden ist, beweist das Streben nach Relevanz nicht nur mit den Songs, sondern stellt es schon im Titel klar: „Ich finde es wichtig, dass man direkt merkt: Der will uns was erzählen. Bei dem Satz dachte ich sofort: Wenn nicht wir hier in Deutschland es schaffen – wer dann? Wir haben so viel Glück in unserem Leben. Und dieses Gefühl setzt sich in der Auswahl der Songs wie von selbst weiter fort, als roter Faden des gesamten Albums. Es ist schön, sich Gedanken zu machen und nicht einfach zu sagen: Wir machen hier ‚Howard Carpendale Nr. 35.“
Carpendales Euphorie ist so authentisch wie ansteckend: Christian Lohr über die gemeinsame Zeit im Studio: „Es war ein bisschen so, wie ich früher dachte, dass man Platten macht – nämlich, dass man im selben Raum ist, sich Bälle zuwirft, Ideen hat, Instrumente in die Hand nimmt und sich als Inspiration zusammen Musik anhört. Und aus all dem formt Howard dann sein Universum. Ich habe mich dabei eher als Beleuchter wahrgenommen, der sagt: Ja, das ist jetzt etwas mehr blau und das ist zu grün … – und Howard ist dann diese Welt, um die sich das Album am Ende dreht.“
Man spürt in allen vierzehn Tracks des Albums eine große Verbundenheit – was die Themen angeht, aber auch in der Zusammenarbeit von Lohr und Carpendale, die beide Synästhetiker sind und auch darüber hinaus dieselbe Sprache sprechen: „Auch wenn wir ganz unterschiedliche Menschen sind, teilen wir ein grundlegendes Verständnis. Während des Aufnahmeprozesses habe ich oft an bestimmte Dinge gedacht und zwei Sekunden später sprach Christian genau das aus. Wir haben einfach einen Draht zueinander – und das ist für die Kreativität eine tolle Sache.“
Es sind die Lieder, das Charisma und aufrichtige Emotionen, die HOWARD CARPENDALEs Fans so an ihm schätzen und dafür sorgen, dass er seit fünf Jahrzehnten verlässlich Konzertsäle füllt. „Ich sehe in Tourneen und Konzerten eine wichtige Aufgabe und genieße den unmittelbaren Kontakt zum Publikum. Ich möchte, dass die Leute lachen, weinen, tanzen und nachdenken, und meine Crew, die Band und ich versuchen, in diesen zweieinhalb Stunden die bestmögliche Show zu bieten. Wir diskutieren jedes Detail und ich träume die Show mindestens zwanzigmal durch, bevor ich damit auf die Bühne gehe.“ Wer diesem Mann zuhört, weiß, dass er keinen Funken Leidenschaft eingebüßt hat – eine Rarität in einer Branche, die viel zu oft dem schnellen Trend huldigt. HOWARD CARPENDALE hat sich bewahrt, was oft in dieser Zeit verloren geht: Nächstenliebe, Neugier und Begeisterungsfähigkeit.

Freitag, 20. Juli 2018 | 20.00 Uhr | auf dem Marktplatz in Schopfheim