Leben des Galilei

Großherzog-Friedrich-Straße 19, 77694 Kehl
20. Nov 2018
Ab 20:00 Uhr
Ab 10,35€

Schauspiel von Bertolt Brecht
Badische Landesbühne
Inszenierung: Carsten Ramm

Einführungsvortrag um 19 Uhr – Schulklassen bitte mit Voranmeldung.

In einer Zeit, in der über ,,alternative Fakten“ diskutiert wird, kommt Bertolt Brechts ,,Leben des Galilei“ eine neue Aktualität zu. In der Erstfassung von 1939 konzentrierte sich Brecht auf die Verantwortung gegenüber der wissenschaftlichen Erkenntnis. Der Physiker und Astronom Galileo Galilei soll sich öffentlich zu dem aus der Bibel abgeleiteten Weltbild bekennen, wonach die Sonne sich um die Erde dreht und nicht umgekehrt. Die Kirche droht ihm ansonsten mit Folter und Tod. Dass der Mensch nicht das Zentrum des Universums bildet, ist heute Allgemeinwissen. Vor 400 Jahren war dieser Streit noch nicht entschieden, auch wenn viele Wissenschaftler – selbst jesuitische – der Ansicht des Kopernikus zuneigten. Vor allem war die Sache ein Politikum, das die Macht der Kirche und der durch sie legitimierten Herrscher gefährdete: Ist der Mensch nicht Mittelpunkt des Universums, so ist er auch nicht Krone der göttlichen Schöpfung – ein Gedanke, den die Politik wie die Religion(en) noch heute zu gern vergessen …
Wissenschaftliche Erkenntnis war damals wie heute der politischen Interpretation ausgesetzt. Es gab eine Zeit, da war Atomstrom politisch und wirtschaftlich gewollt, also wurden Folgekosten und Risiken kleingeredet. Nach Fukushima änderte sich das, und das Thema Versorgungssicherheit wurde ausgeblendet. Generell sind aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse nur selten so eindeutig, wie Fakten, die 400 Jahre alt sind. Beispiele: Impfen, Fracking, Ernährung, Krebsbehandlung, Genmanipulation … Nach dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki hat Brecht sein Stück überarbeitet und neue Fragen gestellt: Die nach der Verantwortung der Wissenschaft für die Folgen ihrer Erkenntnisse und die nach Verantwortung der Politik – ein Hintergrund, der eine spannende Inszenierung erwarten lässt …