Kalb, Kälbchen, Rind, Kuh, Stall, Viehzucht, © Pixabay (Symbolbild)

Viehhalter im Schwarzwald fordern nach Wolfsriss zusätzliche Unterstützung

Seitdem feststeht, dass ein Wolf für die Attacke verantwortlich war, fordern Bauernverbände mehr Schutz

Nach dem gewaltsamen Tod eines jungen Rinds durch eine Wolf-Attacke im Schwarzwald fordert der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) eine bessere Unterstützung der Viehhalter, um die Weidetiere in der Region vor solchen Angriffen zu schützen.

Mit der an und für sich gut funktionierenden Kostenübernahme von Schutzzäunen sei es gerade an großflächigen Jungvieh-Weideflächen rund um den Feldberg oder an steilen Hängen nicht getan, betont BLHV-Landwirtin Anna Vogelbacher im baden.fm-Interview.

Anna Vogelbacher (BLHV-Viehhalterin aus Lenzkirch): "Die ganzen Berufskollegen sind jetzt alle ängstlich!"

Stattdessen will sich der Verband künftig bei der Landesregierung für individuelle Lösungen einsetzen, die auf die Anforderungen und Bedürfnisse der einzelnen Höfe und ihrer Tiere abgestimmt sein müssten. Das kostet viel Zeit, Geld und vor allen Dingen auch Personal. Nur so sehen die betroffenen Landwirte aber eine Chance für ein friedliches Zusammenleben mit den Wölfen im Schwarzwald.

Viele habe der tödliche Vorfall Ende November in Titisee massiv verunsichert. Die meisten Landwirte im Hochschwarzwald hatten sich zwar schon seit einiger Zeit auf die Rückkehr der Wölfe in die Region eingestellt. Dass es nun aber so schnell ging und auch größere Weidetiere wie das acht Monate alte Rind augenscheinlich in Gefahr geraten, sorge für eine neue Dimension.

Vorstellbar wären zum Schutz gerade von Jungtieren aus ihrer Sicht zusätzliche Schutzhütten auf den Weideflächen, in die das Vieh nachts eingesperrt werden könnte. Grundsätzlich zeigen sich die Bauern aber offen für viele unterschiedliche Ideen, wie sie ihre Rinder, Schafe und Ziegen vor Wolfsriss schützen können. Sollten diese aber nicht greifen, käme aus Sicht der BLHV-Vertreterin aber auch eine Vergrämung und notfalls eine gezielte Tötung solcher "Problem-Wölfe" als letztes Mittel in Betracht.

Viehhalter würden gerne Schutzmöglichkeiten individuell von Hof zu Hof prüfen lassen

Der BLHV fordert nun zunächst aber erst einmal einen Herdenschutz unabhängig von der Bestandsgröße und von baurechtlichen Vorgaben. Die Lösungen müssten genau auf die Situation vor Ort abgestimmt sein und beispielsweise auch die Kosten für den Unterhalt entsprechender Schutzmaßnahmen abdecken und nicht nur deren Bau.

Für Wolfsexperten Micha Herdfeldt von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg ist der Zwischenfall aus Titisee ein grundsätzlich vorstellbarer. Zur Tagesordnung dürfte so ein Angriff auf ein Rind aber seiner Einschätzung nach trotzdem nicht werden.

Micha Herdfeldt (Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt): "Wie kann ein Zusammenleben von Wolf und Tierhaltung gelingen? Da müssen alle an einen Tisch"

Die Ausrottung der Wölfe hatte zu einem Zeitpunkt stattgefunden, an dem Übergriffe auf Nutztiere an der Tagesordnung standen. Danach wurde der Wolf unter strengen Schutz gestellt, sodass das andere Extrem in der öffentlichen Wahrnehmung überwogen hat, während es in Deutschland kaum Berührungspunkte oder gar Sichtungen von lebenden Wölfen gab.

Jetzt, wo die Wildtiere wieder in unsere Breitengrade zurückkehren und hier im Schwarzwald auch sesshaft werden, kommen alle Beteiligten nicht an einem Aushandlungsprozess vorbei.

Wolfsexperte rechnet selbst bei steigender Wolfspopulation nicht automatisch mit mehr Übergriffen auf Nutztiere

Dennoch betont Herdfeldt: Bislang handelt es sich nur um zwei sesshaft gewordene Wolfsrüden, bei zwei weiteren Exemplaren ist noch nicht ganz sicher, ob sie nur auf der Durchreise sind. Von einem Rudel, das sich auch hier vor Ort mit Jungtieren fortpflanzt sind wir aktuell noch weit entfernt.

Und selbst dann sei nicht gesagt, dass die Übergriffe auf die Nutztiere der Viehhalter dauerhaft zunehmen werden oder trotzdem die Ausnahme bleiben. Denn die Wälder sind eigentlich voll mit Wild-Beutetieren. Weil aber auch Wölfe bei der Suche nach Nahrung den Weg des geringsten Widerstands gehen könnten, sind Schutzmaßnahmen vor allem für Schafe und Ziegen wichtig.

Hier spricht sich auch Herdfeldt für Gespräche von Landwirtschaft, Wissenschaft und Politik auf Augenhöhe aus, bei denen es individuelle Lösungen gehen müsste und nicht nur um die Umsetzung der Maßnahmen, die woanders erfolgsversprechend waren. Dass es am Ende eine Lösung gibt, die für alle Seiten vertretbar ist, davon ist der Fachmann überzeugt und bietet dabei auch noch einmal ausdrücklich den Landwirten den wissenschaftlichen Rat seiner Anstalt an.

(fw)