Bad Krozingen: Fahndung nach flüchtigem Mike B. endet tödlich

Der europaweit mit Haftbefehl gesuchte mutmaßliche Sexualstraftäter Mike B. aus Hartheim ist tot. Er erschoss sich am späten Freitagabend bei seiner Festnahme vor den Augen der Polizei. Zuvor hatte er sich im Bad Krozinger Ortsteil Biengen auf einem Acker einen Schusswechsel mit der Polizei geliefert. Wahrscheinlich stammte die Waffe aus einer illegalen Quelle, da der 34-Jährige weder einen Waffenschein noch eine Waffenbesitzkarte hatte. Offenbar hatte er sich die Pistole noch während seiner Flucht besorgt. Bei ihm fanden die Beamten außerdem über 50 Schuss Munition.

Der Leiter der Kriminalpolizei an der Freiburger Landespolizeidirektion Edmund Reichenbach betonte: Nur ein Zufall hat dabei noch Schlimmeres verhindert. Mike B. hatte beim Zugriff des angeforderten Spezialeinsatzkommandos auf zwei Polizisten gezielt und abgedrückt. Eine Ladehemmung verhinderte doch, dass der Schuss sich direkt lösen konnte. Weitere Menschen wurden deshalb nicht verletzt.

Über die mehr als 100 Zeugenhinweise hatte die Polizei auch erfahren, dass Mike B. bewaffnet sein könnte. Der stellvertretende Freiburger Kripochef Klaus Jetter war an diesem Abend für den Einsatz verantwortlich. Er schätzte den Flüchtigen als äußerst gefährlich und verzweifelt ein. Auch auf den Aufenthaltsort waren die Fahnder wohl durch Hinweise von Passanten aufmerksam geworden. Anwohner hatten ihn gegen 21:30 Uhr mit dem Fahrrad durch Bad Krozingen fahren sehen.

Als die Polizisten Mike B. dann am Ortsausgang stellen konnten, ging er vor ihnen auf die Knie und richtete sich mit seiner eigenen Waffe selbst. Die Beamten versuchten noch vor Ort, ihn zu reanimieren, er verstarb jedoch an Ort und Stelle. Die Obduktion am Samstagmorgen bestätigt die Todesursache. Geklärt werden muss jedoch noch, ob ein Streifschuss im Oberarm von den Warnschüssen der Polizei stammt.

Erst am Donnerstag hatte die Polizei das zurückgelassene Auto von Mike B. in Sulzburg gefunden. Sie geht davon aus, dass er seitdem zu Fuß unterwegs war und sich in im Münstertal oder dem Markgräflerland versteckt hielt. Mehrere Helikoptereinsätze blieben in den letzten Tagen scheinbar zunächst erfolglos. Die Polizei hatte daraufhin den öffentlichen Druck erhöht, indem sie neue Details zur Identität des Gesuchten preisgab.

Mike B. soll vor rund zwei Wochen ein elfjähriges Mädchen in Müllheim zuerst in sein Auto gezerrt haben und es dann anschließend schwer sexuell mißbraucht haben. Laut Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier hatte ihn ein Gericht bereits 2010 wegen schwerem Kindesmißbrauch schuldig gesprochen. Er hatte damals eine Haftstrafe auf Bewährung erhalten, musste angeblich jedoch nicht in Therapie. Auch bei der Polizei war er schon mehrfach in Erscheinung getreten. Ein Sprecher sprach von Delikten im hohen zweistelligen Bereich, die Spanne reiche von Gewalt-, über Beleidigung-, bis hin zu Verkehrsdelikten.

Hier finden Sie erste Aussagen von Polizei und Staatsanwaltschaft zu den genauen Hintergründen des Beschuldigten Mike B. Einen ausführlichen Beitrag zum Thema sehen Sie am Montagabend wie immer ab 18 Uhr stündlich bei Südbaden Aktuell.

TV Südbaden war außerdem unmittelbar nach dem Schusswechsel vor Ort in Biengen. Ein Augenzeuge berichtet uns, was er dort erlebt hat:

Hier finden Sie einen ausführlichen Beitrag mit neuen Erkenntnissen.