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Sex-Industrie klagt über Prostituiertenschutzgesetz und verleiht Gütesiegel

Ein Freiburger Betrieb hat mit fünf von sechs Kronen die bisher höchste Auszeichnung bekommen

Die Rotlichtbranche klagt über zu strenge Reglementierungen, lange Wartezeiten auf Betriebsgenehmigungen und eine insgesamt schleppende und uneinheitliche Umsetzung des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG).  Dieses ist seit 01. Juli 2017 als Bundesgesetz in Kraft getreten und enthält eine Fülle von Pflichten und Regelungen für Sexarbeiter, Bordellbetreiber und Kunden.

Der Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen e.V. (BSD) geht davon aus, dass bei den Behörden immer noch die Vorstellung herrscht, dass Sexarbeiter grundsätzlich ausgenutzt werden und Betreiber von Bordellen immer Ausbeuter seien. Das neue Gesetz schütze in dieser Form niemanden, sondern erschwere allen die Arbeit, so die Mitglieder des BSD.  

Um dem Schmuddel-Image entgegen zu wirken, das der Branche nach wie vor anzuhaften scheint,  verleiht der BSD jetzt Gütesiegel. Bei dem können Betriebe mit bis zu sechs goldenen Kronen bewertet werden – angelehnt an die fünf Sterne der Hotellerie. Die Freiburger „Villa Deluxe“ hat jetzt erstmals fünf Kronen erhalten, die höchste Auszeichnung, die bisher vom BSD verliehen wurde.

Der Interessenverband BSD lehnt das Prostituiertenschutzgesetz nach wie vor ab

Elke Winkelmann, Mitglied im BSD und Betreiberin des Bordells „Freudenhaus Hase“ in Berlin, ist entschieden gegen das Gesetz. Sie ist anlässlich der Verleihung des Fünf-Kronen-Gütesiegels an die Villa Deluxe nach Freiburg angereist. Winkelmann war schon Betreiberin, bevor 2002 das erste Gesetz zum Schutz von Prostituierten in Kraft getreten ist.

Schon damals gehörte sie zu den Personen, die eventuell als Zuhälter hätten bestraft werden können und war nur anfangs erfreut über die neuen gesetzlichen Richtlinien. Jetzt allerdings, da sie seit fast einem Jahr auf Rückmeldung der Behörden wartet, ob und wie sie ihren Betrieb weiter führen kann, ist sie enttäuscht von der Umsetzung:

Die Frauen lieben es, frei zu arbeiten und nicht noch Verantwortung für Miete, Werbung und und und zu übernehmen und gehen dann gerne in Läden, in denen das alles organisiert wird für sie, arbeiten dort drei Tage, arbeiten dort  fünf Monate oder so und ziehen dann einfach weiter, also wollen sich nicht so festlegen. Also schaffen wir eigentlich den Rahmen und den Raum  für Frauen, die selbständig arbeiten wollen. In meinem Betrieb sind die Auswirkungen so, dass wir alle verunsichert sind und nicht wissen, ob und wie wir weiter existieren können.“

Elke Winkelmann zum ProstSchG

Nenad Kekenj-Seke ist Betreiber der mit dem Gütesiegel ausgezeichneten Villa Deluxe in Freiburg und des Apartment 6 in der Stadtmitte und gehört zu den Freiburger Betreibern, die das Prostituiertenschutzgesetz befürworten. Man müsse schließlich in anderen Gewerben auch bestimmte Kriterien erfüllen, um eine Konzession zu erhalten.

Nenad Kekenj –Seke zum ProstSchG

Die Auszeichnung ist für Kekenj-Seke die Erfüllung eines lang gehegten Traumes. Seit er Betreiber der Villa Deluxe ist, wünscht er sich, für den Kunden ein Zeichen der Professionalität setzen zu können, wie auch in der Hotellerie. Für die Zukunft hofft er, dass auch andere Betreiber sich für das Siegel gewinnen lassen und das Ganze fördern - weil sich viele Inhaber wünschen, dass sie von der Gesellschaft, von Behörden und Banken auch als professionelle Geschäftsleute anerkannt werden.

Sechs Kronen hätte Kekenj-Seke erhalten, wenn er Nassbereiche wie Sauna, Swimmingpool oder Dampfbad hätte. Fast alle anderen der Anforderungen erfüllt die Villa Deluxe. Für das Gütesiegel, das alle zwei Jahre überprüft wird, gelten Kriterien wie Hygiene, Gesundheitsfürsorge, blickdichte Zimmer, abschließbare Schränke für Mitarbeiterinnen, um nur einige zu nennen. Zusatzpunkte gibt es etwa für Spezialangebote, Barrierefreiheit, Parkplätze, Ausstattung der Zimmer und Ähnliches.

(la)