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Freiburger Student ruft nach antisemitischem Vorfall zu Zivilcourage auf

Der 19-Jährige war in einem Fitness-Studio angegangen und beleidigt worden

Nach einem mutmaßlich antisemitischen Vorfall in einem Fitness-Studio in Freiburg hat der von dem Angriff betroffene Student zur Zivilcourage aufgerufen. Es brauche in Deutschland eine Debatte über Judenfeindlichkeit und eine größere Sensibilität für das Thema, sagte der 19-Jährige der Deutschen Presseagentur in Freiburg. Antisemitismus gehöre zum Alltag von in Deutschland lebenden Juden, sie würden immer häufiger zum Ziel von Bedrohungen und Anfeindungen. Er habe sich bewusst entschieden, den Angriff auf ihn öffentlich zu machen. Er wolle damit anderen Betroffenen Mut machen.

Freiburger Polizei nimmt den Fall ernst, auch der Staatsschutz ermittelt

Die Freiburger Polizei nimmt die Angaben des Studenten ernst. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wird wegen des Verdachts der Beleidigung ermittelt. Der noch unbekannte Angreifer werde gesucht. Auch der Staatsschutz ermittelt.

Der 19 Jahre alte Samuel K. war nach eigenen Angaben am Dienstagabend (05.11.2019) von einem Mann in einem Freiburger Fitnessstudio angegangen und beleidigt worden. Der Angreifer habe ihm die Kippa - die traditionelle jüdische Kopfbedeckung - vom Kopf genommen. Der Fall hat überregional Beachtung gefunden.

Die Frage nach dem Motiv lasse sich vermutlich erst klären, sobald der Angreifer gefunden wurde, sagte die Polizeisprecherin. Die Beamten seien aber zuversichtlich, den Fall aufklären zu können. Es werden Zeugen des Vorfalls gesucht.

Samuel K.: "Antisemitismus muss gesellschaftlich und politisch stärker geächtet werden"

"Antisemitismus gibt es nicht nur in Berlin und im Fernsehen, sondern überall. Das, was mir passiert ist, ist kein Einzelfall", sagte Samuel K. Sein Fall solle dazu beitragen, wachzurütteln. Judenfeindlichkeit müsse gesellschaftlich und politisch stärker geächtet werden. Sonst bestehe die Gefahr, dass sie sich weiter ausbreite. Juden müsse es möglich sein, ihrer Religion in Deutschland nachzugehen, ohne Angriffe fürchten zu müssen. Vorfälle öffentlich zu machen, helfe, mögliche Täter abzuschrecken und Taten zu verhindern. Zudem helfe es Opfern, die sich so nicht alleingelassen fühlten.

Er habe seit dem Vorfall Solidaritätsbekundungen aus der ganzen Welt erhalten. Außerdem hätten sich Betroffene gemeldet, die Ähnliches erlebt hätten. "Aus Scham haben sie jedoch nicht öffentlich das Wort ergriffen", sagte der Student. Er ist den Angaben zufolge Stipendiat des in Berlin ansässigen Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks (Eles). Dessen Geschäftsführer sowie Vertreter der Stadt Freiburg hatten die Tat öffentlich verurteilt.

(dpa/rg)