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Freiburg: Wagenburg „Sand im Getriebe“ ist geräumt


Die Freiburger Wagengruppe „Sand im Getriebe“ darf wohl nicht auf der Oberrieder Straße im Freiburger Osten bleiben. Die Polizei hat am Montagmorgen gegen 10:00 Uhr mit der Räumung der gut 15 bewohnten Wägen begonnen. Die Beamten sind aktuell mit einem Großaufgebot im Einsatz. Auch ein Abschleppunternehmen ist vor Ort. Die Fahrzeuge bleiben laut Polizei vorerst beschlagnahmt. Der Räumung war offenbar schon am letzten Mittwoch intern ein entsprechender Beschluss vom städtischen Amt für öffentliche Ordnung vorausgegangen. Was mit den Wagen und ihren Bewohnern passiert, ist aktuell noch nicht bekannt. Die circa 30 Beamten hatten sie am Morgen aufgefordert, alle wichtigen Besitztümer aus den Fahrzeugen zu räumen. TV Südbaden ist mit einem Kamerateam vor Ort und berichtet ausführlich ab 18 Uhr bei Südbaden Aktuell.

 

Wagenburg bereits aus Littenweiler bekannt

Die Wagengruppe hatte im Juli 2013 zunächst das freistehende Gelände an der Pädagogischen Hochschule in Littenweiler für sich in Anspruch genommen. Nach langer Verhandlung mit der Stadt und der Hochschule mussten sie den Platz jedoch im Februar aufgeben. Gespräche darüber, alternativ den bereits von anderen Wagenburglern präferierten Platz am Wiehrebahnhof nutzen zu können, wurden abgebrochen. Im Anschluss hatten die Bewohner am vergangenen Montag einen Parkplatz in der Nähe des Westbads in der Ensisheimer Straße befahren. Für die Freiburger Stadtbau eine klare Provokation. Sie machte hier von ihrem Recht als Grundstückeigentümer Gebrauch und verlangte die sofortige Räumung. „Sand im Getriebe“ kritisiert dabei, dass es zuvor angeblich zu keinem persönlichen Kontaktversuch gekommen war.

Stadtbau sah ihr Hausrecht verletzt

Am 08. April hatte sich die Wagengruppe vorübergehend an der Wonnhalde niedergelassen – und zwar erneut auf städtischem Grund, so die Verwaltung. Nach Informationen von TV Südbaden sollte sie  schon dort geräumt werden. Die Fahrzeuge waren in einer nächtlichen Aktion jedoch am Donnerstag noch ein weiteres Mal umgezogen: In die Oberrieder Straße im Freiburger Osten.

Im Extremfall müssten sich „Sand im Getriebe“ nun unter anderem etwa wegen illegalen Wildcampens oder gegebenenfalls auch wegen Hausfriedensbruch verantworten. Die Wagengruppe selbst begründet ihr Vorgehen damit, dass sie nur leerstehende Flächen in Absprache mit den Anwohnern zum Bewohnen in Anspruch nehmen würde. Sie fühlen sich von der Stadt zu Unrecht vertrieben und ihren alternativen Lebensstil kriminalisiert. Die Stadtverwaltung selbst verweist hingegen auf ihr bestehendes Angebot an festen Wagenplätzen. Ein Gemeinderatsbeschluss hatte vor Jahren festgelegt, dass Freiburg zusätzliche Wagengruppen als Wildcamping auffassen wird.

Polizei könnte Wagen im Extremfall beschlagnahmen

Im August 2011 war es während der Räumung der ehemaligen Wagenburg „Kommando Rhino“ auf dem heutigen Stadtteileingang zum Vauban zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und linksautonomen Gruppen gekommen. Mehrere Menschen wurden damals verletzt, Unbekannte hatten zudem Barrikaden in Brand gesetzt und Schnüre über die Straße gespannt.