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Freiburg: Flüchtlingsunterkünfte mit Situation völlig überlastet

Die Stadt Freiburg möchte mit einem umfassenden Gesamtkonzept die teils drastische Situation bei der Unterbringung von Flüchtlingen in den Griff bekommen.Einerseits soll zwar die geplante Landeserstaufnahmestelle auf dem Gelände der bisherigen Polizeiakademie mittelfristig für Abhilfe schaffen. Gleichzeitig müssen aber auch Kommunalpolitik und Stadtverwaltung zusammen mit dem Land händeringend nach weiteren Flächen für zusätzliche Unterkünfte suchen. Weil die bisherigen Wohnheime nicht nur komplett ausgelastet, sondern teilweise in stark marodem Zustand seien, stehen hier außerdem dringend Sanierungs- und Neubauarbeiten an.

 

Angesichts von jährlich inzwischen über 26.000 zusätzlichen Neuankömmlingen in Baden-Württemberg sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon bei der Präsentation am Donnerstag: „Nicht nur das Land, sondern auch wir hier in Freiburg stehen vor der bislang größten Herausforderung, ankommende Flüchtlinge unterzubringen“. Bislang waren dem Freiburger Stadtgebiet dieses Jahr im Schnitt 53 Menschen pro Monat zugewiesen worden, für die es ein festes Dach über dem Kopf zu finden galt. Im September lebten so 1303 registrierte Flüchtlinge in Freiburg, die Tendenz steige weiterhin steil an.

 

Um hierfür neue Wohnflächen zu finden, hat die Sozialverwaltung einen Kriterienkatalog entworfen, der das menschenwürdige Wohnen in den Vordergrund stellt: Das Gelände muss so an die Stadtteile angebunden sein, dass die Bewohner auch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Dazu gehören neben der entsprechenden Infrastruktur auch der Zugang zu Schulen und Kitas für Kinder. Zudem soll kein Stadtteil bei der Prüfung von Vorneherein ausgeschlossen werden. Um für eine möglichst positive soziale Durchmischung im Sinne des Integrationsgedankens zu sorgen, sollen pro Standort nicht mehr als 70 Plätze entstehen. Gleichzeitig muss genug Platz vorhanden sein, um jedem Flüchtling die ab 2016 gesetzlich zugesicherten 7 Quadratmeter Wohnraum pro Person zu garantieren.

 

Die bestehenden Wohnheime platzen gerade vor diesem Hintergrund nicht nur aus allen Nähten, sondern weisen – weil viele in den 1990ern ursprünglich nicht als dauerhafte Lösung geplant waren – inzwischen auch bauliche Mängel auf. Vor dem Ende des Balkankonflikts hatten die Experten damals nicht mehr mit steigenden Flüchtlingszahlen gerechnet und die Bauten mit einem Lebenszyklus von maximal 20 Jahren entworfen. Allein in den beiden großen Heimen am Messegelände und in der Hammerschmiedstraße würden sich die Sanierungskosten auf 4 bis 5,3 Millionen Euro belaufen. Andere Baustrukturen hingegen sind so stark in die Jahre gekommen, dass ein Abriss und Neubau unausweichlich werden dürfte.

 

Die Suche nach weiteren Standorten dürfte für das Rathaus hingegen äußerst schwierig werden. Der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof hatte entschieden, dass Asylbewerberunterkünfte weder in Gewerbe- noch Industriegebieten dauerhaft erlaubt sind – auch wenn diese in manchen Städten als Zwischenlösung praktiziert werden. In den Wohngebieten tut sich die Politik dagegen teilweise jetzt schon schwer, für eine weitere Nachverdichtung zu werben und stößt bei geplanen Wohnbauprojekten in bestehenden Quartieren und Stadtteilen regelmäßig auf Widerstand der Anwohner, die beispielsweise einen Verlust ihrer Naherholungsflächen wie Parks und Grünanlagen oder eine zu dichte Bebauung befürchten.

 

 

Nach einer umfassenden ersten Prüfung kamen die Verantwortlichen bislang zu folgenden Ergebnissen: Insgesamt könnten sie mit einem Notfallplan fast 630 Plätze schaffen. Ein großer Teil davon wäre auf wenige Jahre begrenzt, könnte aber den aktuell erwarteten Flüchtlingszahlen zumindest vorübergehend gerecht werden. Neben einer vorübergehenden Unterkunft in der Schlangenstraße wären das beispielsweise eine langfristige Gemeinschaftsunterkunft in der Mooswaldallee, Wohnungen von Kirchengemeinden, der Erzdiözese oder der Freiburger Stadtbau, sowie private Wohnungen, die das Amt für Wohnraumversorgung zusätzlich angemietet hat.

 

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