Toilette, WC, Symbol, © Pixabay

Forderung nach kostenlosen Tampons in Freiburg nimmt erste Hürde

Eine Mehrheit im Freiburger Gemeinderat hat dem Antrag bis auf Weiteres grünes Licht erteilt

Die Stadt Freiburg geht ab sofort der Frage nach, unter welchen Bedingungen sie möglicherweise schon bald kostenlose Damenhygiene-Artikel auf öffentlichen Toiletten und anderen Orten bereitstellen könnte. Das hat eine Mehrheit der Fraktionen im Freiburger Gemeinderat am frühen Dienstagabend (21.04.2021) entschieden. Die Verwaltung im Rathaus soll sich dafür in den nächsten Wochen und Monaten ein genaues Konzept ausdenken und dann vorlegen, was das Ganze kosten würde.

Im Detail geht es dabei um das Angebot von Tampons und Binden auf allen kommunalen Frauen- und Unisextoiletten im Stadtgebiet und teils auch auf Männertoiletten. Auch ein zusätzlicher Modellversuch in ausgewählten öffentlichen Gebäuden, die besonders viele Besucher haben, ist geplant.

Kostenfrage noch unklar - geprüft wird Angebot auf öffentlichen Toiletten, in frequentierten Gebäuden und vielleicht auch in der Gastronomie

Ein Extra-Augenmerk sollen die Planer außerdem auf Angebote der Wohnungslosenhilfe legen, sodass auch obdachlose Frauen in Freiburg einen einfachen Zugang zu solchen Hygieneprodukten hätten. Denkbar wäre aus Sicht des Gemeinderats grundsätzlich auch ein Ausweitung des Angebots auf die bestehende "Nette Toilette"-Initiative in teilnehmenden Freiburger Restaurants, Cafés und Kneipen.

Damit alles hygienisch bleibt, könnten Bezahlautomaten zum Einsatz kommen. Um dadurch keine finanzielle Belastung entstehen zu lassen, könnte es das eingeworfene Geld beim Kauf des Tampons wieder zurückgeben, so die Idee.

Endgültige Entscheidung dürfte erst in einigen Monaten fallen

Sobald das finale Konzept steht, sollen die städtische Frauenbeauftragte und die Gender- und Diversity-Experten der Stadt dazu eine Einschätzung abliefern und dann noch einmal der Gemeinderat darüber abstimmen. Das könnte nach Einschätzung der Unterstützer des Antrags mindestens drei Monate oder länger dauern.

Die Freiburger Gemeinderatsfraktionen von JUPI, Grünen und Eine Stadt für Alle hatten sich für den Vorstoß stark gemacht, weil sie Frauen im Alltag diskriminiert sehen: Weil sie für ihre Hygieneprodukte zahlen müssen, sei das gerade für ärmere Mädchen und Frauen eine finanzielle Belastung im Alltag und gleichzeitig auch eine Ungleichbehandlung. Mit der Initiative wollen die Fraktionen auch dafür sorgen, öffentliche Tabus im Umgang mit dem Thema Menstruation abzubauen.

In Teilen von Frankreich, der Schweiz und vor allem Schottland sind vergleichbare Angebote bereits Normalität. In Deutschland wäre die Stadt Freiburg damit bei den Kommunen einer der bundesweiten Vorreiter, sollte sie sich am Ende für das Projekt entscheiden.

(fw)