Ermittler prüfen Schuldfrage nach tödlichem Zeltlagerunglück in Rickenbach

Schock und Trauer sitzen noch tief - für die Ermittler geht es nun darum, herauszufinden, weshalb ein Zeltlagerausflug im Hotzenwald für eine Gruppe von Jugendlichen so ein katastrophales Ende nehmen konnte:

Die Staatsanwaltschaft in Waldshut-Tiengen hat die Ermittlungen übernommen und befragt zusammen mit der Polizei Augenzeugen und andere Beteiligte des tragischen Vorfalls. Im Mittelpunkt dürfte dabei die Frage stehen, weshalb die Gruppe aus dem Raum Stuttgart trotz amtlicher Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes ein Zelt für einen Teil der Jugendlichen zum Übernachten im Freien aufgestellt hatte.

Hat die Unwetterwarnung die Lagergruppe noch rechtzeitig erreicht?

Erste Interviewvermutungen des Bürgermeisters von Rickenbach, Dietmar Zäpernick, legen nahe, dass die akute Warnung für das Umland von Rickenbach die Betreuer erst mitten in der Nacht erreicht haben könnte - als das Unwetter bereits in Windeseile im Hotzenwald aufgezogen war. Demnach wäre dann alles ganz schnell gegangen: Nur wenige Minuten später sollen bereits die ersten Blitze eingeschlagen sein.

Nach Angaben des Rickenbacher Rathauses handelt es sich bei dem Lagerplatz der 21-köpfigen Gruppe zwar um kein offizielles Campinggelände. Allerdings sei das Übernachten rund um die vorhandene Schutzhütte in bestimmten Fällen erlaubt: So auch bei der mehrtätigen Wandertour der verunglückten 13- bis 16-Jährigen und ihrer Aufsichtspersonen.

Ermittler wollen genauen Ablauf der Ereignisse in Rickenbach herausfinden

Um herauszufinden, ob ein mögliches Fremdverschulden vorliegt, führt die Polizei an der Unglücksstelle kriminaltechnische Maßnahmen durch und befragt die Jugendlichen, sowie ihre Betreuer. Ziel ist es, den genauen Ablauf des tödlichen Unglücks bis ins kleinste Detail rekonstruieren zu können.

Gerichtsmediziner sollen außerdem die Leiche des getöteten Jungen genauer untersuchen. Bislang kann noch niemand sagen, ob es eine realistische Chance gegeben hatte, das Unglück zu verhindern und welche Verantwortlichkeiten sich daraus ergeben.

Fast alle Verletzten konnten inzwischen wieder zuhause

Fest steht bisher nur, dass der starke Sturm in der Nacht auf Mittwoch zwei Bäume am Waldrand umgekippt hat. Einer der tonnenschweren Stämme ist dabei direkt auf das Zelt gestürzt, in dem sich mehrere Jugendliche aufgehalten hatten. Ein 15-Jähriger ist noch am Unglücksort gestorben.

Einen lebensgefährlich verletzten 14-jährigen Teenager können Ärzte dank eines schnellen Rettungshubschraubereinsatzes später im Krankenhaus retten. Drei weitere verletzte Campteilnehmer und ein Betreuer konnten die Notaufnahme am Mittwochnachmittag wieder verlassen.

(fw)