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Die Straßenbahnen in Freiburg fahren jetzt wieder

Es ist ein Defekt, wie er eigentlich nur ein Mal in zwanzig Jahren vorkommt, sagen die Techniker. Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats hat jetzt am frühen Morgen eine ausfahrende Straßenbahn in Freiburg die Oberleitung von ihrer Verankerung heruntergerissen - und mit der Haltestelle "Am Lindenwäldle" auch an der gleichen Stelle, wo es bereits beim ersten Zwischenfall passiert war.

 

Gut vier Stunden lang standen alle Bahnen still

 

Die Folge: Die VAG musste die Stromzufuhr für die Reparatur unterbrechen, nachfolgende Straßenbahnen konnten nicht mehr aus dem Depot im Industriegebiet Haid ausrücken. Tausende Pendler und andere Fahrgäste blieb mitten im Berufsverkehr kaum etwas anderes übrig, als zu warten, bis die Techniker den Schaden nach gut vier Stunden behoben hatten.

 

Kein flächendeckender Ersatzverkehr möglich

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Auf einzelnen stark besuchten Strecken kamen Busse zum Einsatz, um zumindest einen Teil der Menschenmassen an ihr Ziel im Stadtgebiet zu transportieren. Ein flächendeckender Schienenersatzverkehr war laut VAG-Sprecher Andreas Hildebrandt aber nicht möglich. Dazu stehen der Verkehrs AG einfach zu wenige Ersatzfahrzeuge zur Verfügung. Die normalen werden bereits für den Linienverkehr benötigt oder sind als Schulbusse unterwegs. Nach gut vier Stunden war der Spuk dann vorbei und die meisten Linien konnten wieder wie gewohnt angefahren werden. Nur in Richtung Rieselfeld und Haid kam es am Vormittag noch zu Verspätungen.

 

Zentraler Betriebshof als Vor- und Nachteil

 

In beiden Zwischenfällen hatte das gleiche Problem zum Verkehrs-GAU geführt: Weil der Schaden an einer Strecke ohne Ausweichgleise auftrat, war der gesamte Straßenbahnverkehr ins Stocken geraten. Vom VAG-Betriebshof führt nur ein Gleisbett hinaus, ist dieses Nadelöhr verstopft, gibt es für die anderen Fahrzeuge kein Vorankommen. Dabei haben immer mehr Verkehrsbetriebe in Deutschland inzwischen ein zentrales Groß-Depot für ihre Bahnen und Busse, anstatt mehrerer kleiner. Das soll vor allem für kurze Wege und schnellere Möglichkeiten für Wartung und Koordination sorgen. Die Depots sind aber meist im Gegensatz zum Freiburger VAG-Zentrum meist über mindestens zwei Wege für die Trams befahrbar.

 

Schwachstelle sind die Übergänge zwischen den einzelnen Stromkreisen 

 

Unterdessen versuchen Experten zu klären, warum es in so kurzer Zeit noch einmal zu einem Schaden an der Oberleitung kommen konnte - und wie man diesen in Zukunft besser vermeiden kann. Die Ursache ist wohl ein strukturelles Problem: Das Verkehrsnetz der VAG ist vereinfacht gesagt in verschiedene kleinere Stromkreise unterteilt. Diese treffen an ihren Grenzen bei so genannten Stromtrennstellen aufeinander. Diese ca. 80 Trennstellen im Stadtgebiet verhindern einen Kurzschluss. Nachts schaltet das System in einen Leerlaufmodus. Dabei liegt im Regelfall eine höhere Spannung auf den Leitungen als tagsüber. Fährt nun morgens die erste Bahn aus dem Depot heraus, verhindert ein Bügel beim Übergang an der Stromtrennstelle, dass es zu einem Lichtbogen und damit einem Kurzschluss kommt. In den beiden Fällen hat das jedoch nicht funktioniert. Der Strom ist so langen in einem Blitz zwischen Fahrzeug und Leitung hin und her gesprungen, bis das Kabel herunterkam. Maßnahme könnte nun sein, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Stromkreisen an eine andere Stelle verlegt werden, sodass die Bahnen bei einer Störung zumindest weiterhin aus dem Betriebshof fahren können.

 

 

VAG bietet für manche Tickets Entschädigung an

 

Während die meisten Chefs wohl Verständnis für etwaige Verspätungen durch den Bahnausfall zeigen, dürfen sich Berufspendler aber nicht darauf verlassen. Für sie gilt auch im Fall eines technischen Defekts das so genannte "Wegerisiko". Auch wenn sie nichts für die Verspätung können, müssen sie dafür sorgen, rechtzeitig am Arbeitsplatz zu sein und entsprechend genug Zeit einplanen. Kommt er zu spät, darf der Chef die verpasste Arbeitszeit im Extremfall sogar vom Gehalt kürzen. Die VAG bietet jetzt jedoch für manche Kunden eine Entschädigung an. Wer sich unmittelbar vor der Störung eine Einzelfahrkarte oder ein 24-Stunden-Ticket gekauft hat, kann sich damit im Kundenzentrum der Verkehrs AG melden.