Freiburg: Stadt informiert über geplanten Stadionneubau am Wolfswinkel

Vom Finanzkonzept bis zur Lärmproblematik

Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten, plus Nachspielzeit. Ungefähr genau so lange hat die Podiumsdiskussion in der Messe Freiburg zum bevorstehenden Bürgerentscheid für ein neues Stadion für den Sportclub Freiburg am Standort Wolfswinkel gedauert. Zuvor hatte die interessierte Freiburger Bevölkerung ab 16 Uhr die Gelegenheit sich an Infoständen im Foyer der Messe über Themenschwerpunkte wie Finanzierung, Standortsuche, Lärmbelastung oder Umweltfragen Antworten zu holen.

 

Stadtvertreter eröffnen Podiumsdiskussion 

Die Podiumsdiskussion wird von Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon eröffnet. In seiner Rede erläutert Salomon die Notwendigkeit eines Stadionneubaus für den Sportclub Freiburg. Der Standort Wolfswinkel sei dabei, nach Untersuchung aller möglichen Standorte auf der Gemarkung Freiburgs, der einzig mögliche. Ihm anschließend spricht zuerst Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag, der noch einmal bekräftigt, dass aus baurechtlicher Sicht, wie auch aus ökonomischen Gesichtspunkten ein Ausbau am bisher bestehenden Standort an der Schwarzwaldstraße nicht in Frage komme. Otto Neideck rundet schließlich die Runde der Stadtoberen ab, in dem er noch einmal das Finanzierungskonzept für Stadion und Infrastruktur schildert.

 

Das Finanzierungskonzept – Seriös sagen die Einen, zu risikoreich die Anderen

Die städtische Planung veranschlagt, dass das Stadion (plus zwei Trainingsplätze, plus Parkplätze) Kosten in Höhe von 70 Millionen Euro verursacht. Dieser Betrag soll durch eine feste Summe seitens des SC von rund 15 Millionen Euro, durch einen Landeszuschuss in Höhe von 10 Millionen Euro plus x und durch eine stille Beteiligung seitens der Staatsbrauerei Rothaus AG in Höhe von etwa 12,78 Millionen Euro finanziert werden. Die restlichen Kosten von etwa 32 Millionen Euro wird die Stadt Freiburg durch die Aufnahme von Kredite übernehmen. Mittels jährlichen Pachtbeträgen von 3,8 Millionen Euro bei Erstligazugehörigkeit und 2,5 Millionen Euro bei Zweitligazugehörigkeit soll der Sportclub diese Summe abbezahlen.

 

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Infrastruktur übernimmt die Stadt komplett

Der Ausbau des Straßen- und Straßenbahnnetzes verursachen voraussichtlich Kosten in Höhe von rund 38 Millionen Euro. In diesem Betrag sind rund 10 Prozent Puffer für mögliche Risikofaktoren eingerechnet, sagt Finanzbürgermeister Otto Neideck. Die Gesamtsumme wird komplett vom Steuerzahler finanziert. Sie soll außerdem als Investition in den Freiburger Westen und dessen Infrastruktur gesehen werden, betont der Finanzbürgermeister.

 

Neun Gemeinderatsmitglieder schildern ihren Standpunkt

Insgesamt hatte jedes Gemeinderatsmitglied fünf Minuten Zeit seine Position und das der Partei darzulegen. Den Anfang machte Maria Viethen (Grüne): „Der Stadionneubau bringt keine anderen kulturellen Projekte in Gefahr. Das Finanzierungskonzept erscheint für meine Partei und mich realistisch und risikoarm.“ Wendelin Graf von Kageneck von der CDU betonte: „Der Sportclub ist ein großer Sympathieträger für die Stadt, der auch in Zukunft seine Heimat auf Freiburger Gemarkung haben soll.“ Sechs der neun gewählten Bürgerverteter äußerten sich positiv zum Stadionneubau am Wolfswinkel. Allerdings sahen drei der zu Wort gekommenen Gemeinderatsmitglieder vor allem die Finanzierung als bedenklich an. So auch Stefan Schillinger (SPD): „Meine Partei ist gespalten. Ich bin der Ansicht, dass das Finanzierungskonzept Risiken in sich trägt. Deshalb lehne ich den Neubau ab, denn sonst entstehen Schulden.“ Auch Patrick Evers von der FDP äußerte großte Bedenken: „Meiner Meinung nach sind die Zahlen für das Stadion und deren Infrastruktur geschönt. Das Finanzkonzept ist unzureichend. Tatsächlich belaufen sich die Kosten auf rund 130 Millionen Euro, statt der angekündigten, rund 108 Millionen.“

 

Etwa 450 Zuhörer waren anwesend

Die Resonanz der Bevölkerung hielt sich in Grenzen. Zwar war die Messe Freiburg reichlich bestuhlt, jedoch fanden lediglich an die 450 Menschen den Weg dorthin. Bei der Zusammensetzung der Zuhörerschaft lässt sich festhalten, dass überwiegend Anhänger der zwei bestehenden Lager, also Stadionbefürworter und Stadiongegner, anwesend waren. Reaktionen wie Jubel und Buh-Rufe bei den jeweiligen Statements der neun anwesenden Gemeinderatsmitgliedern untermauern diese Annahme.